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Sell in May

Es gibt eine Börsenweisheit, die besagt: "Sell in May and go away, but remember to come back in September." Damit ist gemeint, Aktien Anfang Mai zu verkaufen und Ende September zurückzukaufen. Diese ursprüngliche Theorie sah zwar vor, die Aktien erst Ende Oktober zurückzukaufen, aber der September hat sich vielleicht einfach besser gereimt.

Die Strategie kann nur Sinn machen, wenn die Rendite dadurch langfristig erhöht werden kann. Dazu müssen im Durchschnitt die kurzfristigen Zinsen während der Monate Mai-Oktober über der Aktienmarktrendite abzüglich der Transaktionkosten liegen.


Sell in May im DAX

Für den DAX zeigt sich für die 33 Jahre von 1988 bis 2020 folgendes Bild: Tatsächlich lieferten die 6 Monate von Mai-Oktober zusammen eine negative Rendite von durschnittlich ca. -0,8%. Sie wurde aber durch die schlechten Monate August und September verursacht, in denen der DAX zusammen durchschnittlich eine Rendite von -4,6% erreichte. In allen anderen Monaten war die Rendite im Durchschnitt positiv.

Sogar in allen betrachteten Zehnjahreszeiträumen war die Rendite in August und September in Summe negativ. Zuletzt schwächte sich der Effekt aber ab und nur noch der August war für die negative Rendite verantwortlich. Eine "Sell in July" Strategie brachte deshalb in den vergangenen Jahren nur noch einen Vorteil von ca. 2,3%.

Ob sich der Versuch lohnt, den Effekt auszunutzen, ist unsicher. Das hängt davon ab, ob er auch in Zukunft erhalten bleibt. Wenn dem so wäre, könnte man bei Transaktionskosten für Kauf und Verkauf von in Summe 1% und auch ohne Alternativanlage in den betroffenen Monaten eine Zusatzrendite von gut 1% pro Jahr erreichen.


Sell in May im S&P 500

Im S&P 500 (inkl. Dividenden) ergibt sich ein ähnliches Bild im gleichen Zeitraum 1988-2020. Allerding war in den Monaten Mai-Oktober die Rendite mit durchschnittlich ca. 3,2% positiv. Die Monate August und September blieben gleichzeitig aber bei einer negativen Rendite von durchschnittlich ca. -0,7%.

Auch in einem Großteil der Zehnjahreszeiträume war die Rendite in August und September zusammen negativ, wobei sich auch hier zuletzt der Effekt minimal abschwächte.

Im S&P 500 deuten die Zahlen für die Vergangenheit aber an, dass sich schon bisher ein regelmäßiger Ausstieg in bestimmten Monaten langfristig nicht gelohnt hat. Es wäre deshalb überraschend, wenn dem in Zukunft genau für die genannten Monate so wäre.


Fazit

Die Börsenweisheit hat einen wahren Kern, ist aber für die betrachteten Indizes falsch formuliert. Während die Anwendung für den S&P 500 schon in der Vergangenheit keinen Sinn machte, sollte sie für den DAX eher heißen: "Sell in August and go away, but remember to come back in September."

Ob die Anwendung auch in Zukunft clever ist, wird sich erst rückblickend sagen lassen. Zudem können dabei auch Steuereffekte beim Verkauf relevant sein.

Der Grund für die in der Vergangenheit schwächeren Börsenmonate August und September lässt sich nicht feststellen. Zum einen kann es sich einfach um Zufall handeln, wobei vielleicht auch Sommereffekte in den relevanten Märkten eine Ursache sein könnten.


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